06.09.2017

"AUS" für Jugendberufshilfe im Johannesstift

Jugendberufshilfe im Johannesstift stellt ihre Angebote ein

Die Evangelisches Johannesstift Jugendhilfe gGmbH stellt die Angebote der Jugendberufshilfe mangels Nachfrage zum September 2017 ein. Damit verliert das Johannesstift ein traditionelles  Arbeitsfeld, das seit 90 Jahren mit verschiedenen und im gesellschaftlichen Kontext wechselnden und sich weiterentwickelnden Angeboten das Gesicht des Evangelischen Johannesstifts mitgestaltet hat.

1927 zogen die ersten Lehrlinge in das „Lehrlingsheim für Schwererziehbare“, den damaligen Ulmenhof (heute Gustav-Werner-Haus). Bis in die 90er Jahre hinein wurden dort junge Menschen betreut, die im Johannesstift oder außerhalb ihre Ausbildung absolvierten. Der erfolgreiche Abschluss dieser Ausbildung war das vorrangige erzieherische Ziel der Arbeit.

1978 wurde mit dem F-Lehrgang das erste Mal eine strukturierte, von staatlicher Seite geförderte Ausbildung in einem geschützten Raum eröffnet um auch jungen Menschen eine Ausbildung du damit die gesellschaftliche Integration zu ermöglichen, die auf dem ersten Ausbildungsmarkt auf Grund ihrer persönlichen und sozialen Probleme keinen Ausbildungsplatz finden konnten. Der F-Lehrgang wurde 2006 letztlich eingestellt, aber gleichzeitig entwickelte sich ein breites Angebot an Kursen und Maßnahmen von beruflicher Orientierung über Berufsvorbereitung, Nacherwerb des Hauptschulabschlusses bis hin zu geförderten Ausbildungen.

In vielen Betrieben des Johannesstifts fanden die jungen Menschen eine Beschäftigung und Ansprechpartner, die sich Zeit für sie genommen haben und hinter der nicht immer einfachen Fassade und den Verhaltensweisen den Menschen gesehen haben. Für viele Jugendliche wurde ihre Zeit im Johannesstift eine ganz entscheidende Hilfe auf dem Weg in ein selbständiges Leben.

Kostenträger dieser Angebote waren in der Vergangenheit immer die Bundesagentur für Arbeit bzw. das Jobcenter und die Jugendämter, wobei sich die Anteile immer stärker zur Bundesagentur für Arbeit verschoben. Unter den von dort geforderten Konditionen konnte und wollte die Jugendhilfe jedoch ihre Leistung nicht anbieten, und so wurde verstärkt auf die Zusammenarbeit mit und Vermittlung durch das Jugendamt gesetzt. Doch auch von dort kamen zuletzt keine Nachfragen mehr.

Mit den letzten zwei erfolgreichen Absolventen, die im Juni 2017 ihre Berufsbildungsreife erworben haben, endet nun das lange Kapitel der Jugendberufshilfe im Evangelischen Johannesstift.

(Ho/Ze)