16.02.2012

„Die ‚Kiezwelt’ ist ein Hauptpfeiler unseres gesellschaftlichen Engagements“, Christian Luther, Prokurist von Laserline, im Interview

Die Berliner Druckerei Laserline unterstützt gemeinsam mit „Kinder beflügeln“ und der Humboldthain-Grundschule die Schülerzeitung „Kiezwelt“. Eine außergewöhnliche Zusammenarbeit, die am 26. Januar 2012 durch die Unterzeichnung eines Kooperationsvertrags feierlich besiegelt wurde. Von der festlich gedeckten Tafel im Flur der Humboldthain-Schule zeugte Geschirrklappern davon, dass der kulinarische Teil des Festaktes begonnen hatte. Christian Luther, Prokurist von Laserline, nahm sich trotzdem die Zeit, einige Fragen über das gesellschaftliche Engagement seines Unternehmens zu beantworten. Im Anschluss ließ auch er sich die von den Kindern zubereitete Kartoffelsuppe schmecken.

Herr Luther, wie gefällt Ihnen die Veranstaltung?

Sehr gut. Nicht nur, weil der Bezirksbürgermeister Christian Hanke persönlich zu diesem Festakt gekommen ist, sondern, weil die Lehrer und Schüler alles in einen sehr würdevollen Rahmen gesetzt haben. Von der musikalischen Umrahmung bis hin zur Urkundenunterzeichnung – das kennt man sonst nur aus Veranstaltungen der großen Politik. Man merkt atmosphärisch, dass hier mit der Humboldthain-Schule, dem Evangelischen Johannesstift und Laserline drei wirkliche Partner zusammengekommen sind, die zwar aus ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Feldern kommen, aber gemeinsam etwas für die Kinder hier etablieren.

Warum ein Engagement an dieser Schule?

Die Entscheidung dafür hat viel mit der räumlichen und der persönlichen Nähe zu tun. Wir sind in diesem Umfeld angesiedelt und groß geworden. Unser Inhaber Tomislav Bucec ist als Achtjähriger mit seinen Eltern von Kroatien nach Berlin gekommen und konnte damals noch kein Wort deutsch sprechen. Er hat also einen ganz starken Bezug zu Kindern, die einen Migrationshintergrund haben. Und ich selbst bin hier an der Humboldthain-Grundschule zur Schule gegangen.
Laserline hat sich vorher schon sozial engagiert. Beispielsweise für Waisenkinder in Thailand nach dem Tsunami 2004. Dass wir uns aber so stark persönlich einbringen, mit eigenen Ideen und einem Kooperationsvertrag, ist natürlich etwas ganz besonderes. Die „Kiezwelt“ ist ohne Frage ist ein Hauptpfeiler unseres gesellschaftlichen Engagements.

Wie genau sieht denn Ihr Beitrag innerhalb der Kooperation aus?

Wir übernehmen die Kosten für den Druck. Da die „Kiezwelt“ nicht nur in der Schule, sondern auch an die Haushalte im Kiez geht, ist die Auflage entsprechend hoch. Wenn benötigt, werden wir auch Rechner zur Verfügung stellen. Darüber hinaus schicken wir Auszubildende in die Schule, die den Kindern beibringen werden, wie man als Mediengestalter eine Zeitung produktionsmäßig auf den Weg bringt.

Sie haben ja auch etwas davon.

Genau. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Wir haben dieses Projekt als Zweibahnstraße angelegt. Es ist ja für Unternehmen relativ leicht, mit Geld anzutreten. Für uns war es jedoch wichtig, dieses soziale Engagement auch zum Teil des strategischen Engagements des Unternehmens zu machen. Die Mitarbeiter, die an diese Schule kommen werden, sollen eine enge Bindung an das Projekt entwickeln. Dabei werden sie viel lernen. Wenn ich als Auszubildender den Kindern etwas beibringen will, dann muss ich mich fachlich hinterfragen. Zum Beispiel dazu, wie ich die Information auf eine kindgerechte Sprache herunterbreche.
Ich muss mir auch didaktische Gedanken machen. Auch wenn ein Lehrer dabei ist – der Auszubildende muss versuchen, die Aufmerksamkeit über eine bestimmte Zeit ungebrochen aufrechtzuerhalten. Ihm wird zum ersten Mal klar, wie es ist, auf der anderen Seite des Tisches zu stehen. Wenn er zur Berufsschule geht, ist er der Schüler, und wenn er hierher kommt, ist er der Lehrer. Das ist sehr spannend.

Was kann das Projekt für die Kinder Positives bewirken?

Ich glaube, dass die Kinder sich in einer enorm medial geprägten Lebenswelt befinden. Heute greifen sie viel weniger zu Büchern, als das früher der Fall war. Wir als Firma, die mit dem gedruckten Wort umgeht, möchten die Kinder dahingehend fördern, dass sie mit Texten arbeiten, dass sie Leseverständnis erwerben – weil Leseverständnis Weltverständnis ist. Sie sollen recherchieren, sie sollen schreiben, Interviews machen und hinterfragen – dadurch lernen sie im Prinzip, die Welt um sich herum besser zu verarbeiten

Geht es Ihnen auch um Nachwuchsförderung?

Es wäre natürlich schön, wenn jemand, der hier das Layouten von uns gelernt hat, später zu uns kommt. Zwischen der 5. bzw. 6. Klasse und dem bei uns üblichen Berufseinstieg nach der 12. Klasse liegt allerdings eine lange Zeit. Dabei würden wir es begrüßen, wenn Jugendliche später auch Ausbildungsberufe ergreifen, die nicht so im Fokus liegen wie beispielsweise der Layouter. Das ist heute der Traumberuf einer großen Zahl von Jugendlichen, so wie früher der KFZ-Mechaniker.
Ich glaube dass generell die Beschäftigung mit Zeitung alle Facetten dieses Mediums aufmacht. Vom Journalisten, der etwas schreibt, bis zum Logistiker, der dafür sorgen muss, dass die Zeitung nachher auch am Kiosk landet – sonst ist die Arbeit des Journalisten auch wertlos. Wie werden erklären, dass es eine ganz große Strecke gibt, in der jeder einen enorm wichtigen Beitrag leistet. Im Prinzip freuen wir uns aber über Bewerbungen für jedes Berufsfeld und natürlich ganz besonders, wenn sie hier aus dem Kiez kommen.

Vielen Dank für das Gespräch und guten Appetit!