Siebente Perle: Die Reisen der Terpsichore

In der dritten Folge berichteten wir über die KulturPiloten der Staffel Terpsichore, die den höfischen Tanz im Schloss Charlottenburg entdeckten. In dieser letzten Folge der KulturPiloten-Schatzsuche wird es ein weiteres Mal um Kinder der Terpsichore-Staffel gehen. Doch wir gehen tiefer in die Vergangenheit – in das Jahr 2012. Und wieder steht der Tanz und die Musik im Vordergrund – jene Künste, die schon seit über 2000 Jahren der wundervollen Muse Terpsichore zugeordnet sind.

Der Schatz dieses Staffel stammt aus Moabit. Neun Kinder der Ersten Gemeinschaftsschule Berlin Mitte wurden von ihren erwachsenen KulturPiloten Schirin Zareh (Gesangslehrerin, Geschichtenerzählerin) und Stefan Leisner (Philosoph, Prozessbegleiter) eingeladen, sich auf den Pfad der schönen Muse zu begeben. Drei Wegmarken standen bereits zu Beginn fest: Der Ausflug zum Exploratorium, zum Filmmuseum Potsdam und zum Staatsballett. Im Folgenden wird Stefan Leisner vom zweiten Schatz der Terpsichore berichten.

Eine Reise zur Musik

Beim ersten Ausflug landeten wir noch zum kühlen Beginn des Jahres im Exploratorium. Von der U-Bahn am Mehringdamm ausgeworfen, stiegen wir frohen Mutes zu den Räumen des Exploratoriums empor und wurden freundlich begrüßt vom Pädagogen und Musiker Micha Rabuske. Er hatte einen wundervollen lichten und weiten Raum vorbereitet. Darin angeordnet waren sehr viele Musikinstrumente, darunter Bambusflöten, Trommeln unterschiedlicher Art und Größe, Rasseln, ein Schlagzeug, eine Marimba und ein Klavier. Die Kinder staunten und wollten sogleich alles ausprobieren. Doch Micha gab der Doppelstunde eine Struktur und begann im Kreis die Musikinstrumente nach und nach vorzustellen und einzuführen. Die Kinder konnten sich hier mit unterschiedlichem Wissen und Erfahrungen einbringen.

Das Besondere an diesem Besuch war die Fähigkeit des Musikers, die Lust der Kinder am Musizieren zu wecken. Erst konnten sie ihre eigenen Erfahrungen machen, nach und nach eine Beziehung zu den Instrumenten aufbauen. Dann ging Micha in die Einzelbegleitung und die Töne, die die KulturPiloten erst zaghaft, dann musiker ihren Instrument entlockten, wurden von Micha begleitet und eingebunden in ein kleines Musikstück. Die Zusammenarbeit mit einem Musiker, der sein Kunstwerk verstand und liebt, inspirierte die Kinder. Der Funken sprang über.

Eine Reise zum Film

Der nächste Ausflug führte die KulturPiloten zum Filmmuseum Potsdam. Hier erwartete sie eine Reise in die Vergangenheit, denn das Potsdamer Filmmuseum beherbergt eine funktionierende Orgel, um Stummfilme zu begleiten. Des weiteren stand der Ausstellungsbesuch des Filmmuseums auf dem Reiseplan. Zuerst besuchten die KulturPiloten die Ausstellung zu Film in der DDR. Einige kannten den Sandmann oder Märchen der DEFA, für andere war alles Neuland.

Nach dem Ausstellungsbesuch ging es in das Kino, wo uns Filmtechnik und Kinoorgel (gebaut 1929!) von Helmut Schulte gezeigt und erklärt wurden. Zur großen Überraschung lud er uns anschließend ein, einen Stummfilm von Dick und Doof auf der großen Leinwand anzuschauen und dazu – life – die sogenannte Welte-Kinoorgel zu erleben. (Hier gibt es auch eine Hörprobe im Internet). Das war imposant und witzig! Für die KulturPiloten folgte dann eine weitere Überraschung: sie durften sich nacheinander zu dem engagierten und offenen Orgelspieler setzen und selbst die Orgel erforschen. Mit sehr viel Geduld und Aufmerksamkeit begleitete er die interessierten Kinder.

Die Kinder waren begeistert und aus diesem Ausflug entstand die Idee, selbst kleine Filme musikalisch zu begleiten. Wir arbeiteten in den folgenden Terminen kontinuierlich an diesem Kleinprojekt, suchten einen passenden Stummfilm aus und suchten Instrumente aus. Bei der Abschlusspräsentation sorgten die KulturPiloten für offene Münder im Publikum, indem sie einen Film von Dick und Doof mit selbst gebauten Rasseln und Trommeln lautstark begleiteten.

Eine Reise zum Tanz

Die letzte Reise führte zum Staatsballett Berlin. Auch dieser Besuch war zweigeteilt. Zuerst durften wir - unter der Bedingung mucksmäuschenstill zu sein - einer Probe der jungen Ballett-Tänzerinnen und Tänzer des Staatsballet Berlins zuschauen. Für Jungs und Mädchen war es spannend, diesen jungen Menschen zuzuschauen. Die körperliche Anstrengung und Disziplin war spürbar und dennoch erschien die Kunst immer wieder leicht und verzaubernd.

Die Zeit verging sehr schnell. Doch damit nicht genug. Die nächste Station begann in einem verspiegelten Tanzsaal. Hier begegneten wir der Tänzerin Maria, die die KulturPiloten selbst zum Tanzen einlud. Besonders die Jungs verzogen spontan das Gesicht. Doch sahen sie einige Minuten zuvor selbst Tänzer und so versuchen sie es auch. Die Tänzerin erzählte uns aus ihrem Leben, ihrer Ausbildung zur Tänzerin und ihrem Werdegang. Dann ordnete sie die Kinder im Raume an, zeigte ihnen die ersten Positionen und: Musik ab! Der Tanz ist eröffnet.

Im Landeanflug

Die Staffel ging zu Ende. Rückblickend würde ich sagen, dass die große Reise keinen einzelnen, herausstehenden Höhepunkt hatte. Sie glich viel eher einer wundervolle Kette von funkelnden Perlen. Perlen der Erinnerung, der Freude und der Inspiration, die die Kinder durch die Begegnungen mit Menschen