Die Kirche des Evangelischen Johannesstifts


Die Stiftskirche ist Blickfang und Wahrzeichen des Evangelischen Johannesstiftes. Sie bildet den geistigen Mittelpunkt seiner diakonischen Arbeit. Dies kommt im architektonischen Konzept des Stiftes eindrucksvoll zum Ausdruck: Die Kirche befindet sich räumlich im Zentrum der Gesamtanlage, die von Platanen gesäumte Zugangsallee führt direkt auf sie zu. Eine solche herausgehobene Stellung der Kirche hatte bereits der Gründer des Stiftes, Johann Hinrich Wichern, gewollt. In seinem programmatischen Vortrag zur Gründung des Johannesstiftes im Jahr 1858 ging er auch näher auf die Namengebung ein. Auch die Kirche – damals noch als schlichte Kapelle konzipiert – bezog er mit ein:

Die Hauskapelle soll dem Evangelisten Johannes gewidmet sein. Nach ihm soll das Stift das Johannesstift heißen, und die Brüder werden von selbst den Namen der Brüder vom Evangelisten Johannes überkommen. Ist doch Johannes derjenige Apostel, den der Herr vor allen andern gewürdigt hat, die Tiefen der Gottesliebe zu erfahren, zu erkennen und zu verkündigen; ist doch Johannes derjenige Apostel, der vor allen andern mit klarem und durchdringenden Wort die Wahrheit der Liebe, mit der wir Gott lieben, bewährt haben will in der Liebe, mit der wir uns untereinander lieben; der als Zeugnis dieser Liebe das Leben als Opfer für die Brüder fordert nicht in Worten, sondern in Tat und Wahrheit; der ein unvergleichliches Vorbild dieser Liebe auch gegen die Ärmsten, am tiefsten Gefallenen und Verlornen hinterlassen hat, da er, schon ein greiser Bischof, jenem Jünger, der abfällig und zum Räuber geworden war, nacheilte in die Berge, bis er ihn wiederfand und in die Gemeinde zurückführen konnte! Das will auch das Johannesstift. Es will diesen seinen innersten Sinn schon durch seinen Namen bekunden.“

 

Die heutige Kirche hat während der verhältnismäßig kurzen Dauer ihrer Existenz mehrfach einen Wandel in ihrer äußeren, vor allem aber in ihrer inneren Gestaltung erlebt. Dabei wurde die ursprünglich historische Vorbilder aufgreifende Ausgestaltung der Kirche dem jeweiligen Zeitgeist entsprechend verändert. Dies geschah in den 1930er und den 1960er Jahren. Zuletzt wurde die Kirche im Jahr 2003 umfassend umgestaltet. Sie präsentiert sich heute den Besucherinnen und Besuchern – vor allem im Kirchenschiff – nicht nur den veränderten Nutzungsgewohnheiten angepasst, sondern auch als eine bewusst herbeigeführte Synthese von ursprünglichen und zeitgenössischen Stilelementen.

 

Die in rotem Backstein ausgeführte Kirche greift architektonische Elemente des mittelalterlichen märkischen Kirchbaus, der Spätrenaissance, aber auch des Anfang des 20. Jahrhunderts aktuellen Jugendstils auf. Es finden sich Stilformen der Romanik und der Gotik. Die Kirche bildet im Grundriss ein gedrücktes lateinisches Kreuz. Durch ihren massiven, 56 Meter hohen Turm erweckt es von außen aber nahezu den Eindruck eines Zentralbaus. Die breite Vierung, auf der der Turm ruht, verjüngt sich nach oben und wird unterbrochen von einer umlaufenden Pultdachschräge, dem das Glockengeschoss und der barock geschwungene Helm folgen. Dieser geht über in ein Oktogon mit großer Laterne. Knauf und Kreuz bilden den Abschluss. Der Eindruck einer sich harmonisch nach oben verjüngenden Architektur wurde verstärkt durch den wie ein Querriegel hinter die Kirche gesetzten Festsaal. Dieser Eindruck wird heute zwar durch die hinter der Kirche befindlichen Bäume verdeckt, aber ersetzt und verstärkt durch in den 1960er Jahren angebrachte Pergolen rechts und links des Portals.

 

Der Eingangsbereich ist programmatisch gestaltet. Er will auf die Zweckbestimmung des Stifts und seine Verwurzelung in der christlichen Botschaft aufmerksam machen. Er besteht aus einem Portal, das links und rechts von zwei Loggien flankiert ist. Zwei Spruchbänder mit Bibelzitaten (Mt. 11,28, Mk. 10,14) zieren die Loggien und verweisen auf das Selbstverständnis des Stiftes als einer Einrichtung der sozialen Hilfe im christlich-diakonischen Geist.