10.02.2017

„Das Leben ist schön!“

Frau P., Freundin des Johannesstifts

Eine wahre Freundin des Johannesstifts ist Frau P. Zwar kommt die 94-Jährige nicht mehr zu den Festen und Veranstaltungen, aber sie ist innerlich dabei und nimmt Anteil.

Sie ist ein Mensch, der in größeren Zusammenhängen denkt. Ihr liegt Mitmenschlichkeit am Herzen. Deshalb unterstützt sie unsere Arbeit seit Jahrzehnten. Vor zwei Jahren schrieb sie ihr Testament und setzte das Evangelische Johannesstift zu ihrem Erben ein. Wir telefonieren regelmäßig und sehen uns bei gelegentlichen Besuchen. Sie lebt in ihrer kleinen Wohnung beim Alexanderplatz inmitten von Büchern, Bildern und hübschen Kunstgegenständen. Über jedes Stück weiß sie eine Geschichte zu erzählen.

Bemerkenswert sind die Fotografien, die sie und ihr Mann bei ihren Reisen aufgenommen haben. Eine Bildergalerie entführt den Betrachter an die verschiedensten Orte in Europa und darüber hinaus. „Wir sind zu DDR-Zeiten schon gerne gereist“, erzählt Frau P. „Als dann die Mauer fiel, zog es uns in die Länder und Gegenden, über die wir zuvor nur gelesen hatten.“ Zeitlebens war sie viel unterwegs: 1922 in Nordhausen geboren, verbrachte sie ihre Jugend in Stettin. Durch die Kriegswirren kam sie nach Erfurt, wo sie angewandte Kunst studierte und in einem Museum arbeitete. Später war sie Museumsleiterin in Nordhausen und Restauratorin in Potsdam.

Dann führte sie ihr Weg nach Berlin – über 10 Jahre lang leitete sie das John-Heartfield-Archiv der Akademie der Künste. Ihr verstorbener Mann war Cheflektor im Schulbuchverlag. Vielleicht ist es dieser reiche Schatz an Erinnerungen aber auch das Interesse am heutigen Geschehen und ihre umfassende humanistische Bildung, die Frau P. so vital erhalten. Natürlich kennt sie gesundheitliche Einschränkungen, aber sie ist jeden Tag dankbar dafür, aufstehen und ihren Alltag bestehen zu können.

Frau P. weiß: Sollte es mir einmal schlechter gehen, suchen die Mitarbeitenden des Freundeskreises gemeinsam mit mir nach Lösungen. Wenn ihre Zeit gekommen ist, darf sie sicher sein, dass alles so erfüllt wird, wie sie es festgelegt hat. „Ich habe keinen Kummer“, meint sie lächelnd. „Und ich sage immer noch: Das Leben ist schön!“