Wochengeschichten

Seit einiger Zeit veröffentlichen wir auf unserer Aktuellesseite Wochengeschichten. Mit diesen Berichten geben wir Ihnen einen Einblick in unsere Arbeit. Es wird von den großen Ereignissen als auch von den kleinen alltäglichen Geschichten, die unsere Arbeit spannend machen, erzählt. Wir wollen damit allen Leserinnen und Lesern Stück für Stück, Woche für Woche ein vielfältiges Bild unserer Arbeit vermitteln. Da vieles davon so spannend ist, dass es über das Aktuelle hinaus für unsere Arbeit wichtig ist, finden Sie hier alle unsere Wochengeschichten zum Nachlesen:

09.05.2014
Das Ende

Abschlusstreffen der einjährigen MAE-Maßnahme am letzten Maßnahmetag.
„Wie geht es denn nun weiter?“ Aufgeregte Stimmen, Ängste und Ärger.
„Es gibt keine neue Maßnahme mehr in dem Bereich und alle von Ihnen, die seit dem Beginn der Instrumentenreform am 01.04.2012 schon zwei Jahre in Maßnahmen zugebracht haben, werden vom Jobcenter keine neuen Zuweisungen für andere Maßnahmen mehr bekommen.“
Tränen, „was sollen wir bloß tun? Wenn ich zu Hause sitzen muss, fange ich nur wieder an zu trinken, damit ich nicht ins grübeln komme.“
„Das können die doch nicht machen, die müssen uns doch etwas geben. Ich brauche auch das Geld.“
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer machen ihrem Ärger Luft.
„Die brauchen uns doch, die alten Leutchen haben sich doch so an uns gewöhnt. Die haben gestern geweint, als wir uns verabschiedet haben.“ – Die Teilnehmerin schluckt auch schon verdächtig.
„Vielleicht kann das Seniorenheim Sie einstellen, eventuell als Minijob.“
„Nein das machen die nicht, der ganze Laden läuft doch nur mit MAE-Kräften, Ehrenamtlichen und jungen Leuten im Freiwilligen Sozialen Jahr. Die stellen niemanden ein, das ist doch ein kirchliches Heim!“

25.04.2014
„Ich hätte nie gedacht, dass ich bei der Arbeit mit älteren Menschen so viel Freude und Dankbarkeit bekommen kann.“

Frau B. hat nach dem Abitur im Kosovo eine Ausbildung zur Buchhalterin absolviert. Vor 20 Jahren ist sie mit ihrer Familie vor dem Krieg nach Deutschland geflüchtet. Trotz 13-jährigem Arbeitsverbot hat sie stets das Ziel verfolgt eine Erwerbstätigkeit auszuüben. So arbeitete sie drei Jahre ehrenamtlich im Elterncafé der Schule ihrer Kinder und mündete hierüber in die Ausbildung und Beschäftigung als Stadtteilmutter in Neukölln. Hier erfuhr sie von der Ausbildung zur Sozialassistentin, die sie erfolgreich absolvierte. Ihr großer Wunsch war die Ausbildung zur Erzieherin zu absolvieren.
Als sie Ende 2012 zur Wille kam, hatte sie bereits einen Bewerbungsmarathon für die berufsbegleitende Erzieherausbildung hinter sich und wirkte niedergeschlagen, angesichts der vielen Absagen.

Jedoch war ihr Wunsch mit Menschen zu arbeiten ungebrochen. So orientierte sie sich um und erprobte sich in der Arbeit mit Senioren.
Die Wille vermittelte ihr eine Vollzeitstelle in einer Senioren-Wohngemeinschaft in Neukölln. Dort arbeitet sie seit Anfang 2013 als Pflegehelferin und ist mit ihren Aufgaben sehr zufrieden. Sie fühlt sich im Team sehr gut integriert und schätzt das kollegiale Miteinander.
Ihre Warmherzigkeit und ihr freundliches Lachen sind ihre herausragenden Eigenschaften, mit denen sie diese anstrengende Arbeit gut bewältigt. Von den Seniorinnen und Senioren bekommt sie sehr viel zurück und sagt: „Ich hätte nie gedacht, dass ich bei der Arbeit mit älteren Menschen so viel Freude und Dankbarkeit bekommen kann.“

10.04.2014
Ein (un)typischer MAE-Teilnehmer

„Wir brauchen hier noch Ihre Anschrift.“ Der Kunde, ein gepflegter Mann mittleren Alters in Sakko und Hemd hatte den Anfang des Personalfragebogens frei gelassen. Als erlernten Beruf hatte er Kaufmann angegeben.
„Ich bin obdachlos, ich schlafe meistens irgendwo beim Haus der Kulturen der Welt im Tiergarten.“
„Aber hier, auf Ihrer Zuweisung vom Jobcenter, steht doch eine Anschrift.“
„Das ist ein Wohnungslosen–Tagescafé. Dort kann man sich anmelden. Da kann ich duschen und meine Wäsche waschen.“
„Warum bemühen Sie sich nicht um einen Wohnheimplatz?“
„Das halte ich nicht aus. Ich muss draußen sein. Vielleicht im Winter wieder. Ich bin schon überall gewesen und habe auch schon aller Wegen gearbeitet. Vor zwei Jahren war ich über ein halbes Jahr auf Mallorca. Mit dem Fahrrad nach Barcelona und dann mit der Fähre, war eine gute Zeit.“
„Warum sind Sie wiedergekommen?“
„Ich musste zum Zahnarzt. Ich bin da von besoffenen Ballermännern zusammengeschlagen worden und hatte mehrere Zähne verloren. Die musste ich mir hier machen lassen. Hier kenn ich mich besser aus und kann solchen Leuten aus dem Weg gehen. Deswegen schlafe ich auch in der Nähe der Bundeskanzlerin. Da sind viele Polizisten und nicht so viele besoffene Schlägertypen.“
„Können Sie denn einen regelmäßigen Tagesablauf einhalten, jeden Morgen um 8:00 Uhr in der Einsatzstelle?“
„Kein Problem, ich bin immer spätestens bei Sonnenaufgang wach. Ich  trinke nicht und achte auf mich. Das wird schon klappen.“
„Gut, stellen Sie sich bitte morgen um 8:00 Uhr in dieser Seniorentagesstätte vor.“
Der Kunde ist inzwischen seit über einem halben Jahr in der Tagesstätte tätig und wird von den Senioren, wie auch den Kolleginnen und Kollegen sehr geschätzt.

03.04.2014
„Als Zimmermädchen fühle ich mich hier nicht integriert“

Frau Danay G., 28 Jahre, hat in Kuba als Buchhalterin und Lehrerin gearbeitet. Im Sommer 2011 führte sie die Liebe nach Berlin. Durch einen Integrationskurs erwarb sie Grundkenntnisse der deutschen Sprache. Es fiel ihr zunächst schwer eine berufliche Perspektive zu entwickeln. Am liebsten wollte sie Erzieherin werden. Schnell wurde ihr aber klar, dass sie hierfür ausgezeichnetes Deutsch sprechen musste. Das schien noch ein langer Weg zu sein.
Bei ihrer Arbeitslosmeldung wurde ihr nahegelegt als Zimmermädchen zu arbeiten. Diese Vorstellung bereitete ihr große Probleme: „Als Zimmermädchen fühle ich mich hier nicht integriert.“ Sie fühlte sich in einer Sackgasse.
Über eine Freundin erfuhr sie vom Beratungs- und Unterstützungsangebot der Die Wille gGmbH. Ihre erste Fahrt in die Müllerstraße war von Schweißausbrüchen begleitet. Noch nie zuvor war sie alleine U-Bahn gefahren. Diese vielen Menschen, die Enge, ihre Unsicherheit an der richtigen Station auszusteigen, versetzten sie in Angst. Bei der Wille angekommen, mit mehreren Gläsern Wasser beruhigt, formulierte sie das Ziel, möglichst schnell eine Arbeit zu finden, bei der sie ihre Deutschkenntnisse verbessern könne. Sie hatte die Idee mit alten Menschen zu arbeiten, war sich aber nicht sicher, ob sie mit der Grundpflege zurecht kommen würde. Daher wollte sie zunächst ein Orientierungspraktikum absolvieren.
Von ihrer Beraterin, Frau Ludwig, wurde sie zu einem Vorstellungsgespräch bei einem ambulanten Pflegedienst begleitet. Trotz ihrer eingeschränkten Deutschkenntnisse zeigte sich der Geschäftsführer sehr aufgeschlossen für ein dreiwöchiges Praktikum in einer Senioren-Wohngemeinschaft. Durch das Praktikum verbesserte sich ihr Deutsch. Der Geschäftsführer setzte sich sehr dafür ein, dass Fr. G. eine fünfmonatige Qualifizierung zur Pflegeassistentin bewilligt wurde.
Seit Mitte Nov. 2013 arbeitet Frau G. mit Lust und Freude als Hauspflegerin in einer Hausgemeinschaft für Senioren in Kreuzberg. Mit ihrer positiven Ausstrahlung steckt sie nicht nur ihre Kolleginnen und Kollegen sondern auch die Seniorinnen und Senioren an.
Ihr nächstes Ziel ist die berufsbegleitende Ausbildung zur Altenpflegerin, worüber sich ihr Chef besonders freuen würde. Seine Unterstützung hat er bereits zugesagt.

28.03.2014
„Das perfekte Promi-Dinner“ – Neues aus dem Projekt „Ohne Fleiß kein Preis“

Was ist wohl die häufigste Antwort auf die Frage: „Was wollt ihr am liebsten mal in der Jugendgruppe machen?“ Für die 9-11 jährigen unserer Mehringplatzgruppe ist es weder viel Sport noch viele Spiele. Ihre Antwort war: „Kochen!“
Da dies in einer Sporthalle nur begrenzt möglich ist, mussten wir einen Kompromiss finden. Nach einigem hin und her entschieden wir uns für einen Sandwich-Wettbewerb. Was nämlich fast genauso beliebt ist bei den TeilnehmerInnen wie kochen, ist es sich zu beweisen.
Die Kinder hatten eine Auswahl an Sandwichbrot, Salat, Gewürzen und Brot Belag/Brotaufstrichen zur Verfügung. Innerhalb von 20 Minuten sollten die TeilnehmerInnen nun 2 Sandwiches zubereiten, eins zum bewerten und das andere um es später mit allen in der Gruppe zu teilen. Neben einer Note fürs Aussehen und für den Geschmack gab es zusätzlich eine Note für die Sauberkeit am Arbeitsplatz. Es kam nämlich sehr selten vor, dass mal eine Gruppenstunde verging, ohne dass jemand sein Getränk verschüttete.
Die Kinder wurden in 2 Kleingruppen geteilt, die eine Gruppe hat Sandwiches gemacht und ließ sie von unserer Jury (bestehend aus Julia, Anett und Johanna) bewerten. Die andere Gruppe deckte zusammen mit David einen Tisch ein. Zuerst sollte die Gruppe nach ihrem ermessen den Tisch decken (wobei sehr interessante Servietten-Gebilde entstanden). Danach wurde nach Knigge Regeln korrigiert. Parallel wurden Höchstnoten bei der Sauberkeit und bei einem der Sandwiches gegeben. Beim 2. Durchgang wurden die Kleingruppen getauscht. Da war die Sauberkeit aus Zeitmangel (einer der Teilnehmer hatte versucht ein 3-Stöckiges Sandwich zu kreieren) nur noch zweitrangig. Nach dem unsere Jury pappensatt auch noch das letzte Sandwich teilte, zählte David die Punkte der geheimen Bewertung zusammen. Dabei wollten viele im Voraus ihre Bewertung haben und wir erfuhren, dass einer der Teilnehmer von Zuhause ein geheimes Gewürz (Maggi-Würze) mitgebracht hatte. Wir ließen es ausnahmsweise durchgehen ;).
Am Ende waren alle sehr gespannt, wem das beste Sandwich gelungen ist. Einem 2er Team war es gelungen, von 30 möglichen Punkten 28 zubekommen! Natürlich haben aber alle einen Preis erhalten. Nach der Preisverleihung wurde gemeinsam gegessen, wir beendeten die Gruppenrunde mit einem gefüllten Magen!

 

13.03.2014
Was alles durch JobCoaching passiert!

Herr X kam vor einem guten viertel Jahr zum Jobcoaching. Im Erstgespräch wurden die ersten Daten eruiert. Er ist Anfang 50, ledig und seit 2008 arbeitslos. Seinen erlernten Beruf als Koch musste Herr X aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen aufgeben. Seit dieser Zeit war er immer wieder in MAE-Maßnahmen bzw. hatte hin und wieder geringfügige Anstellungen. Er wirkte perspektivlos und niedergeschlagen. Auf die Frage was denn sein Traumberuf wäre, antwortete er „Taxifahrer“ und sprudelte seine bisherigen Lösungsversuche heraus.
Er habe eine Finanzierung über das JobCenter schon versucht, sei allerdings immer abgelehnt worden. In den nächsten Sitzungen suchten wir geeignete Taxischulen heraus, er stellte sich dort vor und nahm an verschiedenen Infoveranstaltungen und Beratungsgesprächen teil. Am Ende fanden wir eine Taxischule die nach erfolgreichem Abschluss des Kurses ihren Absolventen einen unbefristeten Arbeitsvertrag anbieten. Die Finanzierung des Taxischeins beantragten wir über das Jobcoaching-Programm und bekamen eine Zusage. Nun absolviert Herr X seinen Taxischein in dieser Schule und nimmt aktiv, begeistert und motiviert an den Seminaren teil. Auf Nachfrage wie es ihm derzeit geht, antwortete er: „Sehr gut, ich muss viel lernen aber das ist alles nicht schlimm, ich habe jetzt ein Ziel.“

05.03.2014
„Lifestyle Graffiti“, Teil II

Endlich war der Tag gekommen an dem die Wand besprüht werden durfte. Aber zuerst wurde den Kindern in Form eines Videos gezeigt, wie man richtig sprayt. Dort war die Rede von 5 Schritten: Dose schütteln, Düse drauf, Umrandung der Buchstaben sprühen, Farbe innen und Farbe außen.
Natürlich wollten alle beweisen, dass sie die richtige Reihenfolge im Kopf hatten. Deshalb ließen sich einige von ihnen auf dem Weg zur Galilei-Grundschule von David abfragen.
Als die Gruppe und die Teamer an der frisch gestrichenen Wand ankamen, waren sie schwer erleichtert darüber, dass die Farbe über die Nacht getrocknet war. Jeder Teilnehmer nahm sich erst einmal eine schwarze Spraydose, schüttelte sie lange, stellte sich an seine ausgesuchte Stelle und drückte auf den Sprühkopf. Man hörte nichts und sehen war auch nichts. Daraufhin nahmen Anett und David sich auch eine Spraydose, schüttelten sie kräftig und versuchten zu sprühen. Es kam schon wieder nichts raus. Julia war mit zwei Kindern schon munter am sprayen. Als die Beiden bei Julia nachfragen wollten, sahen sie, dass auf der Dose von Julia ein andersfarbiger Sprühkopf war. David wollte nun die Sprühköpfe austauschen, aber der neue wollte einfach nicht drauf gehen. Bei genauerer Untersuchung bemerkte er, dass die Sprühköpfe (logischerweise) mit Sicherungen versehen waren, damit die Dosen beim Transport nicht losgehen.
Nachdem alle Sicherungen entfernt wurden, gingen die Kinder wieder zu ihrer Fläche, schüttelten vorsichtshalber die Dosen noch einmal und drückten auf den Sprühkopf. Diesmal war wieder nichts zu sehen, aber zu hören. Die Kinder und David waren sehr irritiert. Vereinzelt kamen Schaumfäden aus den Sprühköpfen geschossen. Einer der Jungen bemerkte aber schnell, dass man bei neuen Dosen einfach etwas länger drücken muss bis Farbe kam. Nun konnte der Rest der Gruppe auch mit dem Sprühen anfangen. Julia und die beiden Kinder waren bereits beim Schritt: „Farbe innen“, der Rest holte aber schnell auf.
Das vollendete Kunstwerk sehen Sie hier:

 

 

 

 

 

 

 

21.02.2014
„Lifestyle Graffiti“ Teil I

In Kooperation mit der Galilei Grundschule und dem Quartiersmanagement Mehringplatz fand in der Winterferienwoche im Rahmen des Projektes „Ohne Fleiß kein Preis“ ein viertägiger Workshop zum Thema Graffiti statt. Schon bei der Akquise waren die Schüler der 5.- und 6. Klassen aus dem Quartier so begeistert, dass es 3-mal so viele Voranmeldungen gab, wie Plätze beim Workshop. Julia, Anett und David waren dann doch erleichtert, dass die Anzahl der tatsächlichen Anmeldungen der Anzahl der Plätze entsprach. Die ersten zwei Tage standen im Zeichen der Vorbereitung und fanden im Integrationshaus am Mehringplatz statt. Dort lernten die Teilnehmer über die Geschichte des Graffitis, malten ihre Namen in 3D Graffiti-Style erstmal auf Papier und entschieden sich für ein Gruppenlogo welches am Ende die Mitte ihres Kunstwerkes zieren sollte. Außerdem erklärten die Teamer den Kindern die Bedeutung ihrer Namen (Die schönste Bedeutung hatte der Name Devran welcher die Zeit, die Welt und der Lauf der Welt bedeutet).
David, der die Akquise durchführte und als Einziger die Wand gesehen hatte, machte seine Kollegen immer wieder auf ein Problem aufmerksam. Die Wand, welche zum sprayen von der GGS zur Verfügung gestellt wurde, war schon besprüht - es war keine kleine Fläche! Also gingen die drei von der Bildung am Nachmittag des 2. Tages zur Wand und machten sich auf eine mehrstündige Streichsession gefasst. Diese wurde durch das Malertalent von Julia, welches ihren großartigen Spraykünsten nahe kam, auf bloß eine Stunde verkürzt. Anett und David vermuteten, da sie ein schnelles und routiniertes Vorgehen an den Tag legte, das Julia anscheinend häufiger Außenwände strich um diese am Folgetag zu besprühen. Julia lachte bloß, gab aber kein Statement ab....
Die 3 waren sehr gespannt auf die nächsten zwei Tage.

 

06.02.2014
MAE - ein Auslaufmodell!?

Viele langzeitarbeitslose Menschen, die in Berlin Arbeitslosengeld II (Hartz 4) beziehen, kennen Mehraufwandsentschädigungs-Maßnahmen (MAE). Hier gibt es nicht 1 € sondern 1,50 € Mehraufwandsentschädigung für gemeinnützige Tätigkeiten. Da werden Senioren betreut, in Kitas ausgeholfen, in Kirchengemeinden die Geburtstagspost sortiert oder Computer recycelt. Auch Projekte, in denen Kunst für den öffentlichen Raum geschaffen wurde, gab es schon. Diese Jahr haben bisher nur 2 Maßnahmen in Charlottenburg-Wilmersdorf und in Spandau angefangen.
So, wie es in der letzten Zeit aussieht, gibt es immer weniger Maßnahmen. Für die wenigen Maßnahmen gibt es immer strengere Vorgaben von den finanzierenden Jobcentern. Eine der wichtigsten Vorgaben ist, dass die Kunden nur zwei Jahre innerhalb von fünf Jahren in Maßnahmen sein dürfen. In der nächsten Zeit wird es viele Menschen geben, die ihre zwei Jahre voll haben. Sie dürfen dann für drei Jahre in keine weitere Maßnahme vermittelt werden. Diese Menschen haben in den Maßnahmen, bei ihren Einsätzen Wertschätzung und Anerkennung erfahren. Sie haben zum Teil nach langer Arbeitslosigkeit wieder in den „Arbeitsalltag“ zurückgefunden und eine Tagesstruktur gehabt. Ihre Tätigkeit kam der Gemeinschaft zu Gute, weil die betreuten Senioren mehr Ansprache und Kontakt hatten, weil sich die Empfänger über die Geburtstagskarte freuten oder weil ein Kunstwerk dem Auge schmeichelte. Darüber hinaus freuten sich die Teilnehmenden über den „Zuverdienst“.
Die MAE-Maßnahmen werden von den Jobcentern stark zurückgefahren. In den Jobcentern wird mehr Wert gelegt auf Förderung der Eingliederung durch Zahlung an Arbeitgeber, die langzeitarbeitslose Menschen einstellen. Aus unseren langjährigen Erfahrungen mit arbeitslosen Hartz IV-Empfängern wissen wir, dass es aber immer Menschen gibt, die nicht in den ersten Arbeitsmarkt gelangen, die einen geschützten Rahmen und eventuell eine Person brauchen, die sie an die Hand nimmt. Diese Menschen brauchen weiterhin die Möglichkeit, sich wahrgenommen zu fühlen und in ihrer Tätigkeit Befriedigung und Anerkennung zu bekommen.
Gleichzeitig fallen durch die Reduzierung der MAE-Maßnahmen viele gemeinnützige Tätigkeiten weg, für die es bislang keinen Ersatz gibt, die aber von Betroffenen heftig vermisst werden.
Wie könnte es weiter gehen?
Koordinatoren der Arbeitsförderung in der Wille haben sich Gedanken gemacht, wie ein zukünftiges Modell solcher MAE-Maßnahmen aussehen könnte.
Auf jeden Fall muss ein gut funktionierendes Modell solcher Maßnahmen von aller überflüssigen Bürokratie befreit werden. Zumindest sollten sich alle Berliner Jobcenter über eine einheitliche Verfahrensweise bei der Durchführung solcher Maßnahmen einigen.
Die Maßnahmen sollten für die Kunden /Teilnehmenden freiwillig sein. In Berlin muß ein bezirksübergreifender Einsatz in Einsatzstellen möglich sein. Die Einsatzbereiche sollten etwas weniger eng gefasst werden und die Tätigkeiten nicht so sklavisch daran orientiert werden, dass sie „Positivlistenkonform“ sind (d.h. es dürfen keine Tätigkeiten verrichtet werden, die auch von Arbeitnehmern oder anderen gewerblich Arbeitenden ausgeführt werden könnten, wie z.B. Rasen mähen auf Friedhöfen). Es müssen auch Maßnahmen möglich sein, in denen die Teilnehmenden an eine produzierende Tätigkeit, z. B. im handwerklichen Bereich, herangeführt werden. Maßnahmen im Bereich des Upcyclings oder der Kreativwirtschaft. Dann könnten Waren produziert werden, die auch verkauft werden, z. B. Strickmützen oder individuell gestaltete Tabletetuis. Die erzielten Einnahmen könnten zur „Refinanzierung“ der Maßnahmen genutzt werden oder einzelnen Teilnehmern den Start in die Selbstständigkeit ermöglichen.
In den Jobcentern wird den interessierten Kundinnen und Kunden ein „Maßnahmenkatalog“ vorgelegt, aus dem man sich nach den eigenen Interessen etwas aussuchen kann. Die Maßnahmen sollten mindestens ein Jahr dauern oder, am besten, fortlaufend sein. Vielleicht ließe sich ein ähnliches Abrechnungssystem, wie mit den Bildungsgutscheinen einführen. Die ausführenden Träger, die Teilnehmenden und die Jobcenter hätten so mehr Planungssicherheit. Der bürokratische Kontrollaufwand würde reduziert.
Wunsch oder irgendwann Wirklichkeit?

 

30.01.2014
Die Besichtigung

Ein vorsichtiger Blick durch die angelehnte Tür. Das ältere Paar schaut sich im Kirchenraum um. Typische Berlintouristen – frisch verrentete Köllner, die mal die Hauptstadt kennenlernen wollen. „Kann man das hier besichtigen?“ „Ja klar, ich führe Sie gerne ein bisschen herum.“ Er beginnt zu erzählen. „Die Kirche wurde in der Mitte des 19ten Jahrhunderts durch eine großzügige Spende des damaligen preußischen Königs ermöglicht. Die Gemeinde wuchs …“
Eine Stunde später kommen die begeisterten Gäste wieder heraus. „Das war ja toll, woher wissen sie soviel über die Geschichte?“
„Oh, wenn man sich etwas damit beschäftigt, dann kann man hier viele interessante Details finden und im Archiv haben wir jede Menge Geschichten mit persönlichem Bezug.“
„Sind Sie denn Historiker?“
 „Ja.“
„Großartig, dass sich die Gemeinde so jemanden noch leisten kann, der hier so kundige Führungen macht.“
„Das kann sie nicht, ich bin nur eine MAE-Kraft, ein 1,-€ Jobber.“
„Wieso nur?

 

19.12.2013
Als die Zeit stehen blieb – neulich in einer Einsatzstelle

„Kannst Du bitte mal die Werkzeugkiste holen, die steht noch oben beim Uhrwerk?“ Werner nickte und stieg die Kirchturmtreppe hoch. In der Uhrwerkskammer sah er, dass eine Taube anscheinend durch die Schallschlitze des Glockenturmes  hereingekommen war und jetzt oben auf dem großen Zahnrad saß. Bei jedem Weiterticken rückte sie wieder einen Schritt nach links, um oben zu bleiben. „Weg da, hau ab!“ Werner wedelte mit den Armen, um das Tier zu verscheuchen. Das zeigte sich unbeeindruckt, war es doch außerhalb seiner Reichweite. „Weg da!“ Werner versuchte es lauter – vergeblich. Er nahm einen Besen, der in der Ecke stand und versuchte die Taube damit zu scheuchen. Sie wich elegant zurück und zog sich weiter in die Tiefen des Uhrwerks zurück. Werner rückte nach, holte mit dem Besen aus, rutschte auf einem Taubenschiss aus, wankte und warf um sein Gleichgewicht kämpfend den Besen von sich. Er fing sich wieder, der Besen jedoch fiel im Moment des Weitertickens zwischen die großen Zahnräder. Sie blockierten, knarrten und ächzten. Werner zog am Besenstiel, da brach das kleinere Zahnrad aus seinem Lager, die Feder sprang ab und erschlug die Taube. Alles rasselte und schepperte, Federn flogen und Taubenblut spritzte,....
Dann wurde es ganz still, kein Ticken mehr!

 

13.12.2013
„Das etwas andere Fotoshooting“ - Fototermin bei der Wille, Teil II

Herr Gross der Fotograf staunte nicht schlecht als ein Teilnehmer mit Cowboyhut als nächster Kandidat zum Bewerbungsfotos schießen mitten im mobilen Fotostudio stand. Und als er ihm auch noch einen Karateanzug zeigte, war die Verblüffung perfekt. Aber auch so ein Outfit gehört zu einer individuellen Bewerbung- einer nicht ganz alltäglichen allerdings.
Herr Leschber ist Künstler und sucht neben einer Anstellung im künstlerischen Bereich eine Tätigkeit beim Film und Fernsehen als Komparse. Und obwohl Herr Leschber sein Talent in den letzten Jahren für Installationen, Skulpturen und großformatige Bilder aber auch Ausstellungsmanagement und die Leitung von künstlerischen Seminaren eingesetzt hat, präsentierte er sich verblüffend locker und vielseitig vor der Kamera. Zwischen Knipsgeräuschen und Blitzlicht entstanden so eine ganze Reihe von unterschiedlichen Porträt- und Ganzkörperfotos.
Der Fotograf und das Willeteam warten gespannt auf die ersten Rollen von Herrn Leschber im Fernsehen oder auf der großen Kinoleinwand. Bis dahin können seine Werke auf der Website: www.kenavo-kunst.de betrachtet und bestaunt werden.

 

6.12.2013
„Lächeln bitte!“ Fototermin bei der Wille

An einem regnerischen Tag verwandelte der Fotograf Holger Gross die neuen Räume der Wille hier im Paul Gerhard Stift in ein professionelles Fotostudio. Er brachte seine mobile Fotoausrüstung und eine Make-up Artistin mit und fotografierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus unseren Beschäftigungsmaßnahmen, um ihnen individuelle Bewerbungsfotos zur Verfügung zu erstellen.
Zuerst wurde auf die Gesichter der Teilnehmenden mit Pinsel, Wimperntusche und mit Hilfe einer breiten Make-Up Farbpalette Schönheitsakzente gesetzt. Dann wurde auch die Frisur gekonnt „gestylt“. Unterstützt von Kaffee und Kuchen sorgte die Make-up Artistin mit witzigen Geschichten aus dem Showbiz für gute Stimmung und lächelnde Gesichter.
Und endlich ging es zum eigentlichen Fotoshooting. Herr Gross sorgte mit seiner mobilen Lichtanlage für optimale Ausleuchtung, gab freundlich und gekonnt Tipps und Anregungen zur Gesichtsmimik und Körperhaltung vor der Kamera. Er betätigte den Auslösers so oft es nötig war, um einen entspannten und freundlichen aber vor allem einen eigenen Gesichtsausdruck festzuhalten. Am Ende musste nur noch eine Entscheidung für das „richtige“ Foto getroffen werden. Was bei der Vielzahl der Vorlagen nicht immer leicht war. Und während die einen noch im Blitzlicht standen und lächelten, gingen die anderen gut gestylt und mit professionellen Bewerbungsfotos wieder nach Hause.

 

27.11.2013
Freudige Überraschung – eine großartige Vermittlungsquote

Schon wieder ging eine MAE-Maßnahme (Mehraufwandsentschädigung, sogenannter 1,-€ Job) zu Ende, aber was für eine. Die Teilnehmenden waren hoch motiviert. Sie waren in sehr unterschiedlichen Bereichen beschäftigt, von der Kitahilfe über die Seniorenbetreuung bis zur Gemeindehilfe in verschiedenen Kirchengemeinden. Die Einsatzstellen mögen „ihre“ MAE´ler. Diese bekommen hier eine Anerkennung und Wertschätzung, die ihnen den Rücken stärkt. Das hat in dieser Maßnahme besonders gut geklappt: von den 29 Teilnehmenden haben 5 während der Maßnahme eine Arbeit gefunden und drei haben eine Ausbildung bzw. Fortbildung begonnen. Die anderen orientieren sich an diesen Beispielen und gehen neue Bewerbungen mit frischem Mut an.

 

20.11.2013
Offizielle Büroeröffnung

Am letzten Freitag fand in der ersten Etage des ehemaligen Röntgenhauses auf dem Gelände des Paul Gerhardt Stiftes die offizielle Eröffnung der neuen Büros der Die Wille gGmbH sowie der PersonaGrata GmbH statt. Die beiden Tochterunternehmen des Evangelischen Johannesstiftes arbeiten am neuen Standort gemeinsam an dem Ziel, Arbeit und Beschäftigung auch Menschen mit unterschiedlichsten Vermittlungshemmnissen zugänglich zu machen, Türen zum ersten Arbeitsmarkt zu öffnen und sie auf ihrem Weg zu begleiten.
Die neuen Räume wurden am Freitag von vielen Besuchern begutachtet. Wir haben uns gefreut, auch viele Kolleginnen und Kollegen aus dem Johannesstift unter den Gästen begrüßen zu können. Dabei stellte sich heraus, dass die neuen Räume nicht nur hervorragende Arbeitsräume sind, sondern sich auch vorzüglich für Begegnungen eignen. In allen Räumen wurde gefachsimpelt, begutachtet, gefeiert…. Überall herrschte rege Atmosphäre, sogar Platz für musikalische Darbietungen fand sich. Ein gelungener Abschluss einer arbeitsreichen Woche!

 

13.11.2013
Das erste Mal beim Basar des Paul Gerhardt Stiftes

In der letzten Woche nahmen Kolleginnen und Kollegen der Wille das erste Mal am Basar des Paul Gerhardt Stiftes teil. Der Basar hat schon fast eine hundertjährige Tradition. Die Erlöse des Basares kommen traditionell zu gleichen Teilen einem stiftseigenen Anliegen und einem guten Zweck außerhalb des Stiftes zugute. In diesem Jahr wird damit die Flüchtlingsarbeit im Refugium des Stiftes und die Kindernothilfe unterstützt.
Wir beteiligten uns mit einem Stand bei dem wir über unsere Arbeit informierten und eine Auswahl von selbstgefertigten Nähutensilien präsentierten.
Zusätzlich zu Ihrer Arbeit im Rahmen des Praxiscenters haben unsere vier Näherinnen im Rahmen einer Weiterbildung ihre Nähfähigkeiten erweitert und schicke Kosmetiktaschen, bunte Einkaufsbeutel und Dinkelkissen geschneidert. Vor allem die Sachen, die für die Kinder gefertigt wurden fanden bei den Besuchern des Basars großes Interesse.
Wenn der Basar im nächsten Jahr zum hundertsten Mal veranstaltet wird, sind wir wieder dabei!