13.12.2011

Altes Eisen und junge Power: Das Porsche-Junior-Team dreifach ausgezeichnet

Zu den Jüngsten gehört er ganz sicher nicht. Gar nicht lang her, da sah man sehr deutlich, welch tiefe Wunden die Zeit hinterlassen hatte. Doch wo einst der Lack ab und der Rost da war, glänzt heute rot poliertes Metall, strahlen Liebhaber um die Wette und schlagen Herzen beim lautem Töff-Töff-Töff höher. Dass es dem alten Porsche-Traktor wieder derart gut geht, verdankt er dem Porsche-Junior-Team der Schule am Akazienhof. Die Schülerfirma aus Falkensee hat mit viel Schweiß und noch mehr Leidenschaft das alte Gefährt wieder auf die Räder gebracht.

Es ist das erste, aber nicht das einzige. Weitere Schlepper warten auf ihre Restaurierung und sollen später verkauft werden. Die Bildungskampagne des Evangelischen Johannesstifts, „Kinder beflügeln“, unterstützt die Schülerfirma seit ihren Anfängen 2008 mit finanziellen Zuschüssen und bietet ihr eine Präsentationsfläche. Zum Beispiel bei der Auftaktveranstaltung im Herbst 2010 von „Kinder beflügeln“. Um da dabei zu sein, fuhr das neu restaurierte Gefährt aus dem Havelland bis zum Museum Berlinische Galerie in Berlin-Kreuzberg.

Es ist eben ein ausgezeichnetes Projekt – jetzt sogar im wahrsten Sinn des Wortes: Beim Bundes-Schülerfirmen-Contest unter der Schirmherrschaft von Bundesbildungsministerin Annette Schavan erreichte das Team der Schule am Akazienhof den 8. Platz, ließ damit 145 Konkurrenten hinter sich und konnte am 28. Oktober im Reichstag die Auszeichnung und einen Scheck über 500 Euro entgegennehmen.

Guido Hildebrandt ist Lehrer an der Schule, die Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarf besuchen. Er hat das Projekt initiiert und begleitet es: „Dass wir als kleine Förderschule zu den besten und beliebtesten Schülerfirmen aus ganz Deutschland gehören, ist schon toll“, freut sich der Pädagoge. Der Preis ist nicht der einzige. Die sieben Jungen und ein Mädchen im Alter von 14 bis 17 Jahren gewannen außerdem den mit 500 Euro dotierten Jugendförderpreis des Landkreises Havelland und wurden zudem Anfang November Sieger des Wettbewerbs „Wer wirbt gewinnt“ bei der internationalen Schülerfirmenmesse im FEZ Wuhlheide in Berlin.

Drei Ehrungen in drei Wochen. „Durch die Teilnahme an den Wettbewerben können die Kinder zeigen, wozu sie in der Lage sind. Und die Auszeichnungen beweisen, dass sie trotz Lernbehinderung Schülern anderer Schulformen auf Augenhöhe begegnen“, meint Guido Hildebrandt und fügt hinzu: „Daraus schöpfen die Jugendlichen nicht nur eine Menge Selbstvertrauen, sondern knüpfen intensive Kontakte zu potentiellen späteren Arbeitgebern wie Schlossereien oder Tischlern. Wer sagen kann, er hat bei uns mitgemacht, der hat schon mal ein dickes Pfund, das er in die Waagschale werfen kann.“

Die Arbeit in Schülerfirmen ist an der Schule am Akazienhof fest in den Stundenplan integriert. Einen Traktor auseinanderzunehmen und zu reparieren, ist nur ein Teil der Aufgabe. Ein anderer ist der Einblick darin, wie eine Firma aufgebaut ist. „Wir sind eine eingetragene GmbH“, sagt Hildebrandt, „Schüler sind Geschäftsführer, gestalten ihre Homepage selbst und entwickeln Marketingkonzepte.“ Zugleich geht es darum, sich und seine Leistung zu präsentieren – zum Beispiel zur Auftaktveranstaltung von „Kinder beflügeln“ oder beim Ernte-Dank-Umzug des Evangelischen Johannesstifts.

„Was bei dem Porsche-Junior-Team passiert, passt perfekt zu uns“, ist der Projektleiter von „Kinder beflügeln“, Detlev Cleinow, überzeugt. „Lernen geschieht auch durch Handeln. Die Jugendlichen bauen die Getriebe aus, machen sich die Hände dreckig, riechen das Fett und den Diesel – und dann springt der Trecker tatsächlich an, weil die Schüler so lange geschraubt haben, bis er wieder in Ordnung ist. Das ist ein großer Erfolg.“