Vierte Perle: Urania

Vom Olymp...

Urania – die Muse der Sternenkunde. Die Tochter des Zeus und der Mnemosyne wird oftmals mit Himmelsglobus und Zeigestab dargestellt. Ihren Namen hat sie von ihrem Großvater Uranos - nach griechischer Mythologie dem ersten Herren über Himmel und Welt. Jener Großvater zeugte einst mit Gaia das Göttergeschlecht der Titanen. Nach Hesiod vereinigte sich nun eine der 12 Titanen, Mnemosyne, neun Tage mit Göttervater Zeus und gebar schließlich neun Töchter: die Musen.

Musen gelten in der griechischen Mythologie als Schutzgöttinnen für Künste und Wissenschaften.

  • Kann Urania - die Himmlische - auch heute noch Menschen inspirieren?
  • Kann sie Kinder im Alter von zehn  bis 12 Jahren im Zentrum Berlins begeistern?

Jürgen F. Schmid, Schauspieler und Musiklehrer sowie Inga Kammerer, Schauspielerin und Theaterpädagogin versuchten es.

...nach Berlin Kreuzberg

Der Staffelbeginn stand nicht unter dem besten Stern. Von den neun Kindern der Urania- Staffel kamen fünf aus der Galilei-Grundschule und vier aus der Liebmann Schule. Beide Kreuzberger Schulen liegen zwar im gleichen Schulkomplex und dennoch scheinen immer wieder Universen dazwischen zu liegen. In der ersten Kennenlernrunde fielen den Kindern vor allem Unterschiede und vermeintliche Schwächen auf: der eine hatte Schwierigkeiten, sich auszudrücken, eine andere war von Armut gezeichnet, ein nächster war übergewichtig und ein letzter ganz still, da ihm die Flucht aus Syrien in den Knochen steckte.

In Reaktion auf die Sprachbehinderung eines Schülers sagte ein Junge der Galilei-Grundschule “Warum redest du so komisch”. Das beschämte das Kind der Liebmann Grundschule und ebenso seine Klassenkameraden - ist die Liebmann-Schule ja gerade eine Schule mit Schwerpunkt  auf Sprachförderung.

Wie weiter?

Eine Herausforderung im Projekt Kulturpiloten besteht darin, wie mit den alten und alltäglichen Besonderheiten der Kinder, die sehr präsent und belastend sein können, umzugehen ist. In diesem Fall organisierten die Senior-KulturPiloten einen wechselseitigen Besuch der Schulräume und –Sekretariate.

So konnten die Kinder erst einmal räumlich einander kennen lernen. Dann versuchten die Senior- KulturPiloten einen neuen Horizont zu öffnen, in dem die Kinder eigene Qualitäten spüren und finden und sich neues Wissen aneignen können. So sammelten sie der Kinder Wissen ein: zu Sternen, zum Urknall, zu Monden und zur Sonnenfinsternis. Der Junge, der in der Kennenlernrunde beschämt wurde, überraschte jetzt die Teilnehmer. Denn er wusste einiges über die Monde des Planeten Jupiters zu berichten. Sogar einen Namen erinnerte er: Io.

Das beeindruckte die Gruppe nachhaltig und gab dem sternenkundlichen Forschungswillen einen Schub.

In den nächsten Treffen erkundeten sie spielerisch das Weltall und lernten viel über dunkle Materie, Gesteinsformationen und ferne Galaxien. Sie besuchten das Technikmuseum und das Planetarium am Insulaner, dort auch das Musical Sonne Sterne Mond und Co, wo sie plötzlich ihren Senior-Kulturpiloten Jürgen in der Hauptrolle des „Mann im Mond“ erlebten, der den „Erdlingen“ seine Nachbarn – die Planeten – näher bringt. Wissenschaftlich, poetisch, mit großartigen Projektionen an die Kuppel und mit Live-Musik zum Mitsingen.
 

Als die Sonne verschwand
Ein weiterer Höhepunkt war der Besuch der Wilhelm Foerster-Sternwarte am Insulaner am 20.3.2015 - dem Tag der partielle Sonnenfinsternis. Mit Schutzbrillen ausgestattet machten sich die Kinder auf den Weg. Bevor es los ging, aßen sie gemeinsam mit ihren Senior-KulturPiloten. Diesen Umstand nutzend, besprachen sie gleich, was die Astronauten auf der ISS aßen und etwas gutes und gesundes Essen auf der Erde und im Weltall ausmacht.

In der Sternwarte angekommen staunten die Kinder nicht schlecht. Das galaktische Schauspiel unter der Schirmherrschaft der Urania war beeindruckend.

Es begann 9:38 Uhr, Minute um Minute schob sich der Mond weiter vor die Sonne - bis die partielle Sonnenfinsternis (75%!) ihren Höhepunkt um 10:47 Uhr erreichte. In diesem Moment konnten die Kinder ihre alltäglichen und biografischen Probleme vergessen und aufgehen in der Aufregung des Augenblicks.

In den folgenden Treffen arbeiteten die KulturPiloten gemeinsam ihre Erfahrungen und ihre erworbenen Kenntnisse zu einer Performance zum Urknall, zum Planetensystem und zur Sonnenfinsternis. Aus einzelnen Kindern mit je eigenen Problemen und Herausforderungen ist eine Gruppe gewachsen, die gemeinsam gelernt und Erfahrungen gesammelt haben. Jedes Kind konnte eine Auszeit vom Alltag bekommen, einen Ruhe- und Beziehungsraum, einen Moment des Zuhörens und Haltens und des Helfens und Tröstens. Die kleine Gruppengröße ermöglichte eine enge Begleitung, sodass jedes Kind in seinem Tempo wachsen konnte.

Sonniges Ende

Zum Abschluss der Staffel teilten die Urania-KulturPiloten ihr erworbenes Wissen um die Sternenkunde und berichteten von ihren Ausflügen. Sowohl vor ihren Schulklassen als auch bei der Abschluss-Party der KulturPiloten führten sie stolz ihren Sonnen-Rap vor.