25.05.2018

10 Jahre inklusiv Laufen: Der Run of Spirit etabliert sich

Höhepunkte und Eindrücke des 10. Run of Spirit im Evangelischen Johannesstift

„Wir hatten doppelt so viele Anmeldungen bei den barrierearmen Läufen, wie die letzten Jahre.“ Frank Neuer, ehrenamtlich in der Sportorganisation Bereich Leichtathletik tätig, ist beeindruckt. Liefen in den vergangenen Jahren rund 80 bis 90 Menschen mit Behinderung beim Run of Spirit des Evangelischen Johannesstifts mit, so waren es am vergangenen Pfingstmontag, dem 21. Mai 2018 rund 160 Läuferinnen und Läufer. „Dafür wurde sogar der gesamte Ablaufplan noch kurzfristig geändert, weil wir daraufhin vier statt drei barrierearme Läufe angeboten haben,“ erklärt Frank Neuer weiter.

 

Diese Tatsache allein erklärt vielleicht schon hinreichend, die diesjährige Besonderheit des inzwischen allseits bekannten und für das Johannesstift bezeichnenden Run of Spirits. Der Lauf, der dieses Jahr sein zehntes Jubiläum feierte, bleibt damit das, was er immer war und immer sein sollte: ein inklusiver Lauf, bei dem vor allem Menschen mit Behinderung so selbstverständlich laufen und sich sportlich betätigen können, wie es jede andere Läuferin und jeder andere Läufer auch täte. Und dass man gemeinsam läuft. „Ich kann es nicht beschreiben,“ versucht Anke Dillinger, Grafikerin und langjährige Mitarbeiterin im Johannesstift und der jetzigen Paul Gerhard Diakonie gAG in Worte zu fassen, „es ist einfach ein besonderer Lauf: Die Strecke in der Stille des Waldes und dann wieder rein in die fröhliche, zujubelnde Stimmung auf dem Stiftsgelände. Dann immer wieder neben den Menschen herzulaufen, die rollen, gehen, geschoben werden, auf Rollern treten oder humpeln – es hat etwas ganz Spezielles, was ich als passionierte Läuferin sonst nirgendwo in Berlin finde.“ Das Strahlen von Anke Dillinger spricht für sich.

Auf einzigartige Weise bringt der Run of Spirit Menschen mit und ohne Behinderung zusammen. Wieder einmal kamen rund 900 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, Besucher und Sympathisanten auf dem Gelände des Evangelischen Johannesstifts am gestrigen Pfingstmontag zusammen und haben es sich bei strahlendem Sonnenschein gutgehen lassen. Ein bisschen internationales Flair, zu dem die Läufer aus Kroatien, Polen und Kenia mit ihren jeweiligen Botschaftsvertretern beitrugen, die keine Entfernung gescheut hatten, um an unserem Run of Spirit teilzunehmen. Henry Wanyioke, Marcin Grabinsky, sie alle waren wieder dabei.

In diesem Jahr unterstütze Sarah Zerdick, geborene Berlinerin, Moderatorin beim RBB und Marathonläuferin als Schirmherrin den Run of Spirit und übernahm sogar für eine knappe Stunde zusammen mit Stiftsvorsteher Pfarrer Martin von Essen die Moderation, weil Toni Schmitt anlässlich des Jubiläums die 10 km „endlich einmal selbst mitlaufen“ wollte. Natürlich hing sie auch eifrig Medaillen um die Hälse der erschöpften aber überglücklichen Läuferinnen und Läufer, gab den 10 km Startschuss und half bei der Siegerehrung aus. „Der besondere Spirit, den dieser Lauf ausstrahlt, fasziniert mich sehr und ich freue mich, ihn mit ganzem Herzen zu unterstützen. Der Run of Spirit ist ein selbstverständliches Vorbild für Solidarität, Motivation und Teamgeist.“

Während die Berliner Abendschau einmal mehr irgendwo im Schatten der Platanen einen Läufer interviewte, jubelte Toni Schmitt, der Moderator, den Finishern durchs Mikrofon zu, und während die Cheerleader sich an der Laufstrecke zur nächsten Anfeuerungssalve formierten, lief Lothar Bänsch seine 5te Runde. Eltern picknickten mit ihren Kindern auf dem Rasen vor der Stiftskirche, dahinter konnten Hungrige Süßkartoffel Pommes oder Popcorn essen oder die Jüngsten auf Trambolinen toben. Und mittendrin immer wieder die Läufer, die unendlich motiviert und begeistert durchs Zieltor walkten, rollten, liefen und stolperten, als gäb es nichts Schöneres im Leben.

Herzlichen Dank an alle Beteiligten, Organisatoren, Kolleginnen und Kollegen, Läuferinnen und Läufer, das jubelnde Publikum, Bewohner und alle Unterstützenden.