Immer in Bewegung

5 Jahre Freiwilligendienste in eigener Trägerschaft

Freiwilligendienst„Wir wollen die Stärken des Evangelischen Johannesstifts für die Freiwilligen nutzbar machen. Wir wollen sie einladen, teilzuhaben an der Kultur einer traditionsreichen diakonischen Einrichtung. Wir wollen ihnen Einblick in verschiedene Arbeitsfelder und Ausbildungsgänge im sozialen Bereich ermöglichen, sie in ihrer berufl ichen Orientierung unterstützen und ggf. für die Arbeit im sozialen Bereich gewinnen“. Das waren, zusammengefasst, die im Konzept genannten Beweggründe, vor 5 Jahren eine eigene Trägerschaft des Evangelischen Johannesstift s für das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) anzustreben. 2011 begannen wir, anfangs nur mit der Gestaltung der Seminare und noch in Kooperation mit dem Diakonischen Werk (DWBO). 2011 löste der Bundesfreiwilligendienst (BFD) den Zivildienst ab, und aus FSJ und BFD wurden die Freiwilligendienste. Alles geriet in Bewegung.

Eines unserer Alleinstellungsmerkmale unter den Berliner Trägern ist unser Wohnbereich auf dem Johannesstift gelände mit aktuell 13 Wohnplätzen. Die hier wohnenden Freiwilligen haben es am leichtesten, sich zu beheimaten. Viele unserer Freiwilligen beginnen im Anschluss eine Ausbildung im Johannesstift oder sie bleiben als Ehrenamtliche, als studentische Hilfskraft , oder langfristig als Kollegin oder Kollege dem Johannesstift erhalten. Sie schicken uns ihre Geschwister und Bekannten und sind auf vielfältige Weise Botschaft er und Botschaft erinnen des Johannesstifts.

Auch wenn der größte Teil der Freiwilligen auf dem Gelände in der Schönwalder Allee eingesetzt ist, haben wir Freiwillige fast überall im Evangelischen Johannesstift , in steter Veränderung der Einsatzstellen, wie das Johannesstift selbst: Im Johannastift , im Sunpark, im EGZB, in der Die Wille, hin und wieder auch andernorts, von Hohen-Neuendorf bis Eisenach.

Inzwischen entstand auch eine Gruppe BFD-Teilnehmender über 27 mit eigenem Seminarkonzept. Jedes Jahr sind es ein paar Freiwillige mehr. Mitt lerweile sind es gut 65 meist junge Menschen, die im Laufe eines Jahres bei uns beginnen. Im Jahresschnitt bleiben sie 9 bis 10 Monate, bis ein Studienoder Ausbildungsplatz oder andere Ziele locken. Die bisherige Gruppengröße macht es möglich, dass alle unter 27 Jahren gemeinsam auf Seminare fahren, so dass sie sich kennen und als Johannesstift sfreiwillige (Stifties) verstehen.

Freiwilligendienste sind im Bereich Bildung angesiedelt. Wer selbst einen Freiwilligendienst gemacht hat, weiß, welch großer persönlicher Schritt in einem solchen Jahr möglich ist. Dass 16-jährige ohne Schulabschluss und angehende Medizinstudierende eine Gruppe werden, die wertschätzend miteinander
an einem Th ema arbeitet, ist die Herausforderung an uns Referentinnen und Referenten. Dies verstehen wir als unseren Auft rag und einen Baustein gesellschaft spolitischer Bildung. Diversität in jeder Hinsicht betrachten wir als Chance, aneinander zu reifen.

Eine neue Dimension an Diversität wird uns und auch einzelne Einsatzstellen ab September herausfordern, wenn erstmals Flüchtlinge einen Freiwilligendienst bei uns beginnen. Zeitgleich werden wir über ein Incomingprogramm eine erste Freiwillige aus Brasilien aufnehmen. Alles in Bewegung. Jedes Jahr lernen wir sehr viele großartige junge Menschen kennen, die für wenig Geld und viel Erfahrung hier auf unersetzliche Weise arbeiten und dabei in hohem Maße Selbstwirksamkeit erfahren. Sie zu begleiten und mit ihnen zu lernen, ist eine bereichernde Aufgabe. Manchmal sind wir erschütt ert, mit welchem „Gepäck“ junge Menschen zu uns kommen. Manchmal klappt es auch nicht mit dem Freiwilligendienst, oder es ist sehr arbeitsintensiv. Jedes Jahr sind wir angetan davon, wie engagiert die Freiwilligen in Einsatzstellen angeleitet und ins Team aufgenommen, wie sie behütet und wertgeschätzt werden. Unsere Abschlussgott esdienste, die wir mit Freiwilligen entwickeln, fassten dies in Mott os wie „Segen sein“ oder auch „Geschenk (statt Tausch)“.
Ob wir unsere Ziele erreicht hätt en, fragte mich jemand letztens. Ja, sagte ich ohne Zögern. Hinzuzufügen wäre: Alles in Bewegung – bisher, und so wird es bleiben.

Silke Krenzer, Diakonin Referat Freiwilligendienste
Diakonisches Bildungszentrum

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