Ausstellung „HOFFNUNG“ in der Stiftskirche

Die Künstlerin Marga Falkenhagen und die Stiftung Evangelisches Johannesstift präsentieren vom 4. bis 29. April 2022 Skulpturen aus Holz und Bronze.

Ausstellung „HOFFNUNG“ von Marga Falkenhagen
2004

Der Titel der Ausstellung, gleichsam der Name einer der Skulpturen, steht für ein gemeinsames Ziel der Künstlerin und der Stiftung: Sie möchten Hoffnung geben. Marga Falkenhagen erzählt mit ihrer Kunst hoffnungsvoll von Vergangenem und Gegenwärtigem. Das Evangelische Johannesstift fördert in vielen Projekten Menschen, die Hoffnung und Hilfe brauchen. Schirmherr der Ausstellung ist Frank Bewig, stellvertretender Bezirksbürgermeister von Berlin-Spandau und Bezirksstadtrat für Kultur, Bildung und Sport.

Die Künstlerin und Bildhauerin Marga Falkenhagen erschafft Skulpturen aus Holz und Bronze. Am liebsten arbeitet sie derzeit mit alten Eichen-Fachwerkbalken. Die Individualität des Materials und seiner Geschichte ist ihr wichtig: Alter, Fundort, Eigenschaften und Spuren gelebten Lebens inspirieren sie. Vor ihrer handwerklichen Arbeit nähert sich die Künstlerin der oft jahrhundertealten Geschichte des Holzes und damit auch der Geschichte der Menschen, die einst in den Häusern lebten, die die Balken zusammenhielten. Mit sparsamen bildnerischen Mitteln und mitunter auch alten Nägeln und Beschlägen gibt sie den Balken ein weiteres Thema.

Themen findet Marga Falkenhagen in der Bibel, in der ägyptischen, griechischen oder germanischen Mythologie. Die Zeitlosigkeit der dort behandelten Probleme fasziniert sie. Ihre Skulpturen sind nicht immer gefällig, sagt die Künstlerin selbst, so wie das Leben oft disharmonisch, voller Widersprüche und dennoch von geheimnisvoller Gespanntheit und Aussagekraft sein kann.

Ich bewahre die Balken durch meine Arbeiten vor dem endgültigen Vergessen und sorge dafür, dass sie wieder in die Häuser zurückkehren – diesmal allerdings als Kunstwerke.
Marga Falkenhagen

In ihrer Kunst steht der Mensch im Zentrum – als Teil seines Umfelds und individuellen Schicksals. So ist es auch im Evangelischen Johannesstift – dabei nimmt die Stiftung gerade auch die Menschen in den Blick, die aufgrund ihres Umfelds oder individuellen Schicksals Hilfe benötigen.

„Orakel“
„Orakel“
„Josef und seine Brüder I“, 2011
„Josef und seine Brüder I“, 2011
„Ansturm“, 1991/1992
„Ansturm“, 1991/1992

Hoffnung als gemeinsames Ziel

Als sich Marga Falkenhagen und Karmen Savor, Leiterin des Fundraising-Teams des Evangelischen Johannesstifts, bei einer Ausstellung im Jahr 2021 kennenlernten, wurde diese Parallele deutlich. Die Idee der Zusammenarbeit entstand – und Hoffnung auf ein Projekt mit viel Wirkung.

Die Stiftung Evangelisches Johannesstift fördert benachteiligte Menschen. Sie folgt dem Wunsch des Gründers Johann Hinrich Wichern, Nächstenliebe in Taten zu verwandeln. Die große Hoffnung ist eine sozial gerechte Gesellschaft, die niemanden ausgrenzt. Hilfsprojekte für Menschen mit Beeinträchtigung, sozial und ökonomisch benachteiligte Kinder, Jugendliche und ältere Menschen sind ein Schwerpunkt des Evangelischen Johannesstifts.

Workshop für Menschen mit Beeinträchtigung

Marga Falkenhagen verbindet ihre Arbeit während des Ausstellungsprojekts mit der des Johannesstifts. In einem begleitenden Workshop für Menschen mit Beeinträchtigung in der Macherei ermöglicht sie theoretische und praktische Zugänge zur Welt bildnerischer Skulpturen. Die Macherei ist die Einrichtung für Bildung und Beschäftigung der Johannesstift Diakonie Behindertenhilfe und bietet Teilhabe am Arbeitsleben.

Über Marga Falkenhagen

Marga Falkenhagen wurde 1943 in der Nähe von Rostock geboren. Als Kriegsfolge verschlug es ihre Familie nach Lübeck, wo sie ihre Jugend und Schulzeit verbrachte. Zur Kunst fühlte sie sich schon früh hingezogen, sie absolvierte deswegen auch ein Kunststudium für das Lehramt in Braunschweig. Ab 1969 war sie als Pädagogin tätig, von 1975 bis 1999 arbeitete sie als Kunsterzieherin am Gymnasium in Bad Nenndorf, wo sie heute auch wohnt. In dieser Zeit erhielt sie auch die entscheidenden Anstöße zur Bildhauerei durch den Lauenauer Bildhauer Josef Hauke. Seit 1987 zeigte sie ihre Arbeiten in bislang über 100 Ausstellungen im In- und Ausland – davon mehr als 30 als Einzelausstellung.

Öffnungszeiten der Ausstellung „Hoffnung“

4. April bis 29. April 2022 

Dienstag bis Freitag: 13:00 bis 16:30 Uhr
Samstag: 09:00 bis 12:00 Uhr, mit Kirchcafé
Sonntag: 11:00 bis 16:30 Uhr
Karfreitag bis Ostermontag nur Besichtigung nach den Gottesdiensten.

Die Abendandachten in der Stiftskirche befassen sich mit der Ausstellung. Sie finden montags bis freitags um 18:00 Uhr statt.

Stiftskirche, Evangelisches Johannesstift, Schönwalder Allee 26, 13587 Berlin

Warum gerade Fachwerkbalken?

... Holz ist lebendig, es riecht angenehm, es fasst sich warm an, es reißt, es knackt, es verzieht sich, es ändert seinen Farbton, wird heller oder dunkler. Jeder Stamm ist anders, enthüllt seine Individualität erst beim Bearbeiten. Beim Ulmenholz lasse ich mich ganz auf das Spiel mit der Maserung ein; bei den alten Eichenfachwerkbalken auf vorhandene Risse, Bohrungen, Zapfen und Einkerbungen. Fachwerkbalken sind zur Zeit mein bevorzugtes Arbeitsmaterial. Nur wer es selbst schon einmal gemacht hat, weiß, wie viel Arbeit und Zeit es kostet, wie schmutzig und staubig es ist, einen Fachwerkbalken wieder „brauchbar“ zu machen. Morsche Splintteile und Lehmreste müssen entfernt, Generationen von Nägeln gezogen werden. Der Balken muss rundum mit Stahlbürsten gereinigt werden. Erst jetzt kann man sich mit dem eisenharten Holz künstlerisch auseinandersetzen. Warum all die Mühe, wo es doch viel leichteres Arbeitsmaterial gibt?

Fachwerkbalken faszinieren mich, sie regen meine Phantasie an. Da ist zum einen das Alter des Holzes. Meist weiß ich, aus welchem Gebäude die Balken kommen und wann es erbaut wurde. Die Balken können jedoch auch viel älter sein; da unsere Vorfahren noch keine „Wegwerfgesellschaft” waren, wurden die brauchbaren Balken des alten Hauses im neuen wieder verwendet. Wann also ist die Eiche für diesen Balken gewachsen? In der Reformationszeit oder früher? Viel früher? Zum anderen reizt mich die Vorstellung, dass viele Generationen vor mir schon einmal ein Mensch dieses Holz bearbeitet hat, um ein Haus zu bauen. Im Gegensatz zu mir ohne Kettensäge und Bohrmaschine! In diesem Haus haben Generationen von Menschen gelebt, geliebt und gelitten, sie sind in ihm geboren und gestorben. Sie haben Kriege, Hungersnöte, Krankheiten ertragen, haben den Lauf der Jahreszeiten erlebt und sahen Zeitepochen wechseln. Fachwerkbalken sind für mich Zeugen der Geschichte, sie sprechen zu uns, man muss sich nur auf den Dialog mit ihnen einlassen. Jeder Balken ist eigentlich schon ein Kunstwerk, mit sparsamen bildnerischen Mitteln gebe ich ihm nur noch ein Thema. Es werden immer Menschen! Sind es nun Ahnen, Hausgeister, Zeitzeugen? Das soll der Betrachter für sich entscheiden.

Jedes abgerissene Fachwerkhaus ist ein Verlust. Der Fachwerkbalken, der ofengerecht zerlegt oder zum Zaunpfahl wird, ist ein Zeitzeuge weniger. Die Arbeiten mit diesem Material sollen das Bewusstsein dafür wecken. Meine Balken kommen wieder zurück in die Häuser, nur diesmal als Kunstwerk.

Marga Falkenhagen

Bisherige Ausstellungen

Seit 1987 zeigte Marga Falkenhagen ihre Arbeiten in bislang über 100 Ausstellungen im In- und Ausland – davon mehr als 20 als Einzelausstellung. Das waren die letzten 20 Ausstellungen:

2021    Kloster Möllenbeck, Rinteln, „Gute Aussichten“, 3.7.– 25.07.,10 Arbeiten
2020    Bad Rehburg, Kurhaus, „Ansichtssachen“, ab 18.3., 12 Arbeiten
2019    Reinbek Schloss, „Werkkunst-Kunstwerk“, 17./18.08., 9 Arbeiten
2019    Stadthagen - Schloss – Zehntscheune, „Aufbruch“, 8.6. – 30.6., 10 Arbeiten 
2018    Reinbek Schloss, „Werkkunst-Kunstwerk“, 25./26.8., 11 Arbeiten
2017    Stadthagen - Schloss – Zehntscheune, „Ansichtssachen“, 12.5.-5.6., 15 Arbeit.
2017    Steinhude – Kunstscheune, „Metamorphose“, 3.3. – 25.3., 30 Arbeiten
2016    Hamburg-Bergedorf, AuraKure, 29./30.10., 20 Arbeiten
2016    Reinbek Schloss, „Werkkunst-Kunstwerk“, 3./4.09., 11 Arbeiten
2015    Hamburg-Bergedorf, AuraKure, 24./25.10., 21 Arbeiten
2015    Reinbek Schloss, „Werkkunst-Kunstwerk“, 5./6.9., 17 Arbeiten
2015    Hannover, Galerie Sofa Loft, 1.8. – 25.8., 11 Arbeiten
2015    Wunstorf–Stadtkirche, „Kunst im Turm und in der Kirche“, 5.7.– 26.7., 7 Arbeit.
2015    Dannenberg–Ostbahnhof, 9.–25.5., 10 Arbeiten
2015    Steinhude – Kunstscheune, 27.2.–29.3., 21 Arbeiten 
2014    Hansestadt Seehausen OT Beuster, Stiftskirche St. Nikolaus, 01.08. – 01.11.
2014    Kollmar, Galerie Klausener, 01.08. – 31.8.
2014    Hannover, Villa Fritz Behrens Stiftung, Tastführung, 10. – 18.08.
2014    Stadthagen, Schloss, Zehntscheune, 01.06. – 06.07.
2013    Meißen, Evangelische Akademie im St. Afra-Klosterhof, 16.10. – 31.01.2014
2013    Goslar, St. Annenhaus, 04.08. – 01.09.

Ansprechpartner*in

Team Freundeskreis

Veranstaltungen

Das Evangelische Johannesstift ist für seine Stiftsfeste Erntedankfest, Run of Spirit und den Adventsmarkt in Berlin und darüber hinaus bekannt.

Ein Blasorchester sowie ein Dirigent musizieren auf einer Bühne. Im Hintergrund ist die lange Allee des Stiftsgeländes zu sehen.